Interview mit Yuri Vinokuroff

September 5, 2024

Yuri Vinokuroff hat viele populäre Bücher auf Russisch verfasst, die anschließend ins Englische und Deutsche übersetzt wurden. Seine große Leserschaft verdankt er nicht nur seinen rasanten Plots voller Wendungen und Cliffhangern, sondern auch seinen komplexen, gut entwickelten Figuren und natürlich seinem außergewöhnlichen Sinn für Humor. Bislang hat Magic Dome fünf Buchreihen aus der Feder von Yuri veröffentlicht, von denen er zwei allein und drei als Co-Autor verfasst hat. Alle diese Reihen haben Leser auf der ganzen Welt in den Bann gezogen – und wir sind begeistert, Teil dieses Prozesses zu sein, denn wir bei Magic Dome wissen, dass unsere Leser nicht genug bekommen können, wenn es um lustige, spannende Geschichten geht.


In den USA und in Deutschland sind derzeit fünf verschiedene Buchreihen im Umlauf: Der Ehrenkodex des Jägers[1], War Eternal – Krieg in alle Ewigkeit[2], Ich werde Imperator sein[3] und die beiden neuesten Reihen, Der Orden der Baumeister[4] und Kill to Live[5]. Zwei davon haben Sie mit Oleg Sapphire zusammen erschaffen, und bei einer war George Bor Ihr Co-Autor. Was ist Ihre persönliche Sicht auf jede Ihrer Buchreihen?

Ich selbst halte War Eternal für meine beste Reihe. Aber ja, ich bin womöglich voreingenommen, weil es meine erste ist – daher ist sie wie mein erstes Kind. Aber ich will verdammt sein, wenn sie nicht hervorragend ist! Und gleich danach kam Der Ehrenkodex des Jägers, nach dem Oleg und ich unter den Lesern russischsprachiger Fantasy-Literatur wirklich berühmt wurden. Unsere Fans verliebten sich in die Welt, die wir geschaffen hatten, und auch in unsere Helden. Andere Autoren – Kollegen von uns – haben sogar ihre eigenen Bücher geschrieben, die unser Universum als Schauplatz nutzten. Es ist wirklich eine erstaunliche Welt, und Oleg und ich sind zurecht stolz darauf. 

Welches Genre bedienen Sie im Allgemeinen am liebsten?

Ich liebe Science-Fiction und Weltraumopern. Robert Heinlein, Edmond Hamilton, Harry Harrison, Frank Herbert, Andre Norton, Stanislaw Lem ... Eigentlich könnte man die Liste ewig fortsetzen. Ich bin mit diesen Schriftstellern aufgewachsen und bin ihnen dankbar, dass sie mir diese wundervolle Welt eröffnet haben. Als ich das Erwachsenenalter erreichte, war ich ganz verliebt in LitRPG und schrieb später Bücher in diesem Genre. Aber egal, welches Genre ich mit meinen Werken „beackere“, es gibt eine Eigenschaft, die alle meine Bücher verbindet: Humor. Der gehört für mich einfach dazu, und das gilt auch für mein „reales“ Leben. Warum sollte ich meinen Sinn für Humor also auf meine Bücher beschränken? (ha ha) Außerdem mögen meine Leser das. Ohne Zweifel! Das sagen sie mir auch – kein Witz.

Sie haben War Eternal geschrieben, eine Weltraum-LitRPG-Serie. Als Genre hat sich LitRPG in den USA noch nicht durchgesetzt. Das steht im Gegensatz zu seiner Popularität in Deutschland. Wie würden Sie den Status von LitRPG auf dem russischsprachigen Markt beschreiben?

Die kurze Antwort: War Eternal wurde vor über vier Jahren veröffentlicht. Und bis heute ist es ein Bestseller quer durch das Genre der Weltraum-Fantasy und der Funny-Fantasy. Aber wie könnte es auch anders sein? Wie kann man meine Hauptfiguren nicht lieben?

Was denken Sie darüber, wie sich weltraumbasierte Fantasy in die neuesten populären Genres einfügt? LitRPG, Portal-Fantasy, Reinkarnation? Oder ist die Weltraum-Fantasy eine Kategorie für sich?

An erster Stelle steht das Handwerk des Autors, seine Meisterschaft. Gewiss, die Leser von heute interessieren sich für weit mehr als nur den Weltraum. Die Ära der Weltraumabenteuer, um die sich die Fantasie der Science-Fiction-Autoren der Vergangenheit drehte, ist in der realen Welt noch nicht angebrochen, und dank der Computerspiele und Filme interessiert sich die Jugend von heute für andere Dinge. Dennoch hege ich nach wie vor den Ehrgeiz, die Träume der Leser von den fernen Sternen wieder zu beflügeln!

Ich erinnere mich, dass Sie sagten, Sie hätten sich bei der Arbeit an War Eternal von Robert Asprin inspirieren lassen. Wann haben Sie ihn zum ersten Mal gelesen? Was hat Ihnen an seinen Werken besonders gefallen? Welche anderen Autoren stehen auf Ihrer Liste der wichtigen Vorbilder?

Ich war etwa sechzehn Jahre alt, als mir zum ersten Mal ein Buch von Asprin unterkam. Leider hatten wir zu Zeiten der Sowjetunion zu den meisten ausländischen Autoren keinen Zugang. Ich musste also erst sechzehn werden, bevor ich anfing, massenhaft Science-Fiction aus dem Ausland zu lesen. Ich verliebte mich jedoch im Alter von zwölf Jahren in die Weltraumoper, als in der Jugendzeitschrift Tekhnika-Molodezhi das Buch Die Sternenkönige von Edmond Hamilton erschien. Ich war sofort Feuer und Flamme. Bisher habe ich nur die Koryphäen aus dem Bereich der Science-Fiction und Weltraumoper erwähnt, aber was wären wir ohne die High Fantasy? Tolkien, Ursula Le Guin, Andre Norton (wieder einmal), Brandon Sanderson ... Natürlich habe ich sehr viel gelesen und lese auch weiterhin sehr viel, ich kann hier unmöglich alle aufzählen.

Sie haben auch die Reihe Ich werde Imperator sein geschrieben. Während unseres Interviews mit Oleg Sapphire hatte ich ihn nach dem Endpunkt für die Figurenentwicklung in einer langen Reihe gefragt, und er sagte, dass es nicht nötig sei, der Hauptfigur sofort extrem umfassende Ziele zu setzen, und ich zitiere: „Warum sollte [die Hauptfigur] selbst Imperator werden wollen, wenn sie mit dem amtierenden Imperator per Du ist?“ Nach dem Titel Ihrer Reihe zu urteilen, haben Sie da womöglich einen anderen Ansatz? Was sind Ihre Gedanken dazu? Wie strukturieren Sie die Handlung, dass Ihr Held nicht völlig „imba“ ist, wenn Sie eine längere Reihe schreiben?

Nun ja ... Ich denke, dass der Prozess selbst, zum Haupthelden zu werden, fundamental wichtig für eine erfolgreiche Buchreihe ist. Das Wichtigste ist, das Interesse des Lesers durchgehend aufrechtzuerhalten, ohne in den langweiligen Alltag abzugleiten, oder umgekehrt, den Protagonisten zu schnell zum allmächtigen Helden zu machen. Aber wie? Ich habe keine Ahnung! Und doch gelingt es mir irgendwie.

Und ja, sowohl in der Imperator-Reihe als auch in War Eternal wird meine Hauptfigur am Ende tatsächlich zum Imperator. Aber die Art und Weise, wie das vonstattengeht, ist sehr logisch und natürlich.

Wie gefällt es Ihnen, mit anderen Autoren zusammenzuarbeiten? Was würden Sie sagen, ist der Schlüssel zum kollaborativen Schreiben?

Am besten gefällt mir die Möglichkeit „einen Freund anrufen“ zu können. Wann immer man nicht weiterkommt oder auf eine Stelle stößt, bei der man sich nicht sicher ist, kann man sich jederzeit mit seinem Co-Autor beraten. Und Oleg und ich sind auch im wirklichen Leben befreundet, was toll ist.

Was den zweiten Teil der Frage angeht, so MÜSSEN Sie etwas an seiner Arbeit mögen: seinen Stil, seinen Humor, seine Plots. Im Idealfall lesen Sie seine Bücher gerne. Und das gilt in beide Richtungen.

Wenn der Stil/Humor passt, ist es im Allgemeinen ein „Volltreffer“. Und natürlich sollten Sie ihn auch als Mensch mögen. Wie sollte es sonst funktionieren? Darüber hinaus ist es wichtig, dass man ehrlich zueinander ist und immer seinen Verpflichtungen nachkommt, wenn man zusammen ein Buch schreibt, um den Rhythmus und den Stil beizubehalten ... Das ist wirklich wichtig, sonst könnte alles zum Teufel gehen.

Lesen Sie Kommentare von westlichen Lesern? Was finden Sie an ihnen interessant? Sind sie ähnlich wie die Kommentare der russischsprachigen Leser?

Ich lese sie. Als ich anfing, Bücher über Amazon zu verkaufen, hatte ich aufgrund der ersten Kommentare den Eindruck, dass mir diese Leute völlig fremd sind. Buchstäblich von einem anderen Planeten! Natürlich kamen dann immer mehr Leser und Rezensionen, und mir wurde etwas klar: Wir alle sind Menschen, und den Lesern könnte das Buch gefallen oder auch nicht. Ende der Geschichte. Meine Aufgabe ist es, alles zu tun, was ich kann, damit ihnen das Buch gefällt. Wenn mir das gelingt, wird es jemandem da draußen auf der Welt gefallen (das heißt, wenn der Übersetzer es nicht verpfuscht, ha-ha).

Haben Sie etwas für englisch- und deutschsprachige Leser in Arbeit? Wenn ja, was?

Ein neues RealRpg, das im Kill-to-Live-Universum spielt, kommt gerade heraus – eine extrem gute Geschichte, die auf dem russischsprachigen Markt bereits begeisterte Leser gefunden hat. Ich hoffe, dass diese Serie auch in anderen Ländern ihre Fans findet. Oh, und eine andere Reihe, an der Oleg Sapphire und ich als Co-Autoren arbeiten, wird im Herbst bei Amazon erscheinen. Ich werde jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich kann schon mal sagen, dass sich Fans von Der Ehrenkodex des Jägers und Der Orden der Baumeister auf jeden Fall freuen dürfen. Die Hauptfigur ist nämlich ... oh nein, das wäre ein Spoiler.

Wir sehen uns – zwischen den Deckeln meiner Bücher!


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